News 02.07.2026

UNSERE SPEISEPLÄNE IM WANDEL

Speiseplan Customized Foodservice
Kaum ein Bereich des Alltags spiegelt gesellschaftliche Veränderungen so deutlich wider wie das Essen. Was vor zwanzig Jahren selbstverständlich auf deutschen Tellern landete, wird heute zunehmend hinterfragt. Fleisch täglich? Für immer weniger Menschen ein Muss. Vegetarische Optionen auf der Speisekarte? Längst Standard statt Nische. Streetfood, Bowls und Food on Demand? Für ganze Generationen Normalzustand.
Vom Sonntagsbraten zur Vielfalt auf dem Teller: Wie sinkt der Fleischkonsum in Deutschland?

Der Rückgang des Fleischkonsums ist keine Meinungssache mehr, er ist statistisch belegt. Laut dem BMEL-Ernährungsreport 2024, für den das Meinungsforschungsinstitut Forsa rund 1.000 Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren befragt hat, essen nur noch 23 % der deutschen Bevölkerung täglich Fleisch oder Wurst. Im Jahr 2015 waren es noch 34 %, ein Rückgang von 11 Prozentpunkten in weniger als einem Jahrzehnt.

Der Pro-Kopf-Konsum von Fleisch- und Wurstwaren bestätigt diesen Trend: Laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung liegt er aktuell bei 51,6 Kilogramm pro Kopf und Jahr, das sind 9,3 Kilogramm weniger als noch 2018 und der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen.

Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach pflanzlichen Alternativen deutlich:

  • 39 % der Bevölkerung kaufen regelmäßig vegetarische oder vegane Alternativen zu tierischen Produkten (2020 waren es noch 29 %), ein Anstieg um 10 Prozentpunkte in fünf Jahren.
  • 41 % ernähren sich nach eigenen Angaben flexitarisch, essen also bewusst weniger Fleisch, ohne vollständig darauf zu verzichten.
  • 10 % konsumieren täglich Alternativprodukte, fünf Prozentpunkte mehr als noch vor fünf Jahren.

Besonders markant ist der Generationenunterschied: 58 % der 14- bis 29-Jährigen greifen öfter zu pflanzlichen Alternativen. Das Statistische Bundesamt meldet zudem, dass die Produktion von Fleischalternativen in Deutschland von 2022 auf 2023 um 16,6 % gestiegen ist.

Für Küchen und Kantinen bedeutet das eine klare Aufgabe: Wer plant, dass der Fleischanteil im Speiseplan konstant bleibt, plant an der Realität vorbei.

Die Welt zu Gast in deutschen Küchen: Wie hat sich die Internationalisierung auf den Speiseplan ausgewirkt?

Der klassische Dreiklang aus Suppe, Hauptgericht und Dessert hat ausgedient, zumindest als einzig denkbare Struktur. Internationale Küchen haben längst Einzug gehalten: mediterrane Bowl-Konzepte, asiatische Wok-Gerichte, mexikanische Wraps, levantinische Mezze-Platten. Was früher dem Restaurantbesuch vorbehalten war, findet sich heute in Betriebskantinen, Schulküchen und Catering-Konzepten.

Der Zugang zu internationalen Produkten, veränderte Reisegewohnheiten und die kulturelle Diversität der Gesellschaft treiben diese Entwicklung an. Der Food Report 2024 des Zukunftsinstituts unter Hanni Rützler bestätigt: Regionalität und Internationalität schließen sich nicht aus, im Gegenteil entstehen daraus hybride Konzepte, die lokale Zutaten mit internationalen Zubereitungsmethoden verbinden. Fusion-Küche ist kein Trend mehr, sondern gelebte Küchenpraxis.

Streetfood-Formate – vom Falafel-Wrap bis zum Bánh mì – bedienen dabei ein wachsendes Bedürfnis nach Vielfalt, Schnelligkeit und kulinarischem Erlebnis. Für die Gemeinschaftsverpflegung bedeutet das: monotone Standardmenüs verlieren an Akzeptanz, während modulare und thematisch wechselnde Speiseangebote an Attraktivität gewinnen.

Streetfoodmarket Customized Foodservice
Gesundheit rückt stärker in den Fokus: Was erwarten Gäste heute von einem gesunden Speiseangebot?

Das Bewusstsein für gesunde Ernährung hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Gäste achten nicht mehr nur auf den Preis, sie schauen auf Inhaltsstoffe, Nährwerte, Herkunft und Produktionsweise. Der BMEL-Ernährungsreport 2024 zeigt:

  • 71 % der Befragten essen täglich Obst und Gemüse.
  • 80 % achten auf Saisonalität ihrer Lebensmittel.
  • 77 % legen Wert auf Regionalität.
  • 65 % achten auf Tierwohllabel beim Kauf von Fleisch- und Milchprodukten – gegenüber nur 36 % im Jahr 2015

Auch der Foodservice-Wegweiser Deutschland der npdgroup (September 2022) bestätigt diesen Anspruch für den Außer-Haus-Markt: 49 % der Verbraucher achten bei der Restaurantwahl auf gesunde Speisen und Getränke, 46 % auf Nachhaltigkeit und 43 % erwarten, dass Restaurants spezielle Diäten berücksichtigen können.

Für Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie heißt das: Transparenz über Zutaten und Herkunft ist keine Kür, sondern eine Erwartungshaltung. Wer die Herkunft seiner Produkte kommuniziert und saisonal kocht, schafft Vertrauen und Kundenbindung.

Neue Generationen verändern das Essverhalten: Wie beeinflusst Generation Z den Speiseplan in der Gastronomie?

Generation Z, die zwischen etwa 1995 und 2010 Geborenen, bringt ein grundlegend anderes Essverhalten mit. Starre Mahlzeitenstrukturen mit Frühstück, Mittagessen und Abendessen verlieren an Bedeutung. Stattdessen prägen Snacking, Mini Meals und Food on Demand den Alltag. Ein 2023er Bericht zeigt, dass sechs von zehn jungen Verbrauchern häufige kleinere Mahlzeiten gegenüber großen Menüs bevorzugen.

To-Go-Konzepte, Delivery-Dienste und digitale Bestell-Apps sind für diese Generation selbstverständlich. Gleichzeitig ist Generation Z überdurchschnittlich an pflanzlicher Ernährung und nachhaltigen Konzepten interessiert, wie die BMEL-Daten zeigen: Jeder Fünfte der 14- bis 29-Jährigen ernährt sich vegetarisch oder vegan.

Für Betriebe, die diese Zielgruppe ansprechen wollen, sei es in der Systemgastronomie, im Betriebsrestaurant oder im Hotelbuffet, gilt: Flexibilität, Vielfalt und digitale Bestell-Optionen sind keine Extras, sondern Grundvoraussetzungen.

Bestellen Customized Foodservice
Küchen stehen unter wirtschaftlichem Druck: Welche Herausforderungen belasten die Gastronomie aktuell am stärksten?

Der Wandel auf dem Teller vollzieht sich unter schwierigen Rahmenbedingungen. Gastronomie und Großküchen stehen gleichzeitig vor mehreren wirtschaftlichen Belastungen:

Steigende Kosten: Die Lebensmittelpreise sind seit 2019 um durchschnittlich 15 % gestiegen (Statistisches Bundesamt). Die Energiekosten im Gastgewerbe haben sich seit 2022 nahezu verdoppelt (DEHOGA Bundesverband). Löhne im Gastgewerbe stiegen seit 2022 um durchschnittlich 13,6 %, stärker als in der Gesamtwirtschaft (Statistisches Bundesamt). Seit Januar 2024 gilt wieder der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 % auf Speisen vor Ort.

Einbrechende Umsätze: Laut einer DEHOGA-Umfrage setzten Gastronomie-Betriebe im ersten Halbjahr 2024 trotz gestiegener Preise nominal knapp 11 % weniger um als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn brach um 22 % ein. 14.000 Betriebe haben in diesem Zeitraum aufgegeben, jedes zehnte Unternehmen.

Fachkräftemangel: Die Lage bleibt angespannt. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) fehlten im Juni 2024 gut 8.800 qualifizierte Fachkräfte in Hotel- und Gaststättenberufen. Besonders betroffen: ausgebildete Köche (über 3.400 unbesetzte Stellen), Gastronomieservice (2.140) und Systemgastronomie (1.250).

Die Konsequenz: Betriebe vereinfachen Speiseangebote, reduzieren Öffnungszeiten und setzen verstärkt auf Fertigprodukte und Convenience-Lösungen, nicht aus Überzeugung, sondern aus Notwendigkeit.

Küchen stehen unter wirtschaftlichem Druck

Während die Ansprüche der Gäste steigen, sehen sich viele Betriebe mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Steigende Rohstoffpreise, Fachkräftemangel und zunehmender Kostendruck erschweren vielerorts die tägliche Arbeit. Küchen müssen daher Wege finden, um effizient zu arbeiten und gleichzeitig hohe Qualitätsstandards zu erfüllen. Gefragt sind Lösungen, die Prozesse vereinfachen und gleichzeitig eine verlässliche Kalkulation ermöglichen.

Küche Customized Foodservice
Convenience neu gedacht: Welche Rolle spielen Convenience-Produkte in der modernen Gemeinschaftsverpflegung?

Convenience hat ein Imageproblem und das zu Unrecht. Denn moderne Convenience-Produkte sind weit entfernt von den minderwertigen Fertiggerichten vergangener Jahrzehnte. Ready-Cut-Gemüse, vorportionierte Protein-Komponenten, hochwertige Saucenbasen und tiefgekühlte Spezialitäten ermöglichen es auch kleinen Küchenteams, qualitativ hochwertige Speisepläne zu realisieren.

Laut einer DGE-Studie zu Convenience-Produkten in der Gemeinschaftsverpflegung (2020) haben Convenience-Produkte in den letzten Jahrzehnten im Außer-Haus-Markt erheblich an Bedeutung gewonnen, mit kontinuierlich steigenden Umsatzvolumina. Täglich werden mehr als 16,5 Millionen Personen in der Gemeinschaftsverpflegung versorgt, von der Betriebskantine über Schulen bis zu Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

Für diese Betriebe ist intelligentes Convenience-Management kein Kompromiss, sondern strategische Notwendigkeit. High-Convenience-Produkte schaffen Planungssicherheit, reduzieren Lebensmittelabfall und ermöglichen gleichmäßige Qualität, unabhängig von Personalverfügbarkeit und Kochkompetenz im Team.

Der Speiseplan bleibt in Bewegung

Die Zahlen sind eindeutig, die Richtung klar: Der Speiseplan in deutschen Küchen und der Gastronomie verändert sich strukturell, nicht zyklisch. Weniger Fleisch, mehr Pflanzliches, mehr Internationalität, mehr Gesundheitsbewusstsein und ein wachsender Anspruch an Transparenz und Nachhaltigkeit prägen die nächsten Jahre.

Gleichzeitig müssen Betriebe diese inhaltliche Transformation unter wirtschaftlich anspruchsvollen Bedingungen stemmen: steigende Kosten, sinkende Margen, Personalengpässe. Der Schlüssel liegt in intelligenten Systemen, von der Speiseplangestaltung über das Einkaufsmanagement bis zur Nutzung hochwertiger Convenience-Lösungen, die Qualität sichern und Ressourcen schonen.

Für Großküchen, Kantinen, Hotels und Care-Einrichtungen bedeutet das: Wer heute in durchdachte Speisekonzepte und verlässliche Lieferketten investiert, ist morgen besser aufgestellt für Gäste, die wissen, was sie wollen, und für ein Marktumfeld, das Stillstand nicht verzeiht.

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