Artikel aus dem Magazin Kopfsalat
News 01.10.2026

35 JAHRE
KÖHRA FRISCHE – VOM KARTOFFELMEISTER ZUM MODERNEN FRISCHEPARTNER

köhra Frische
Vom kleinen Kartoffelschälbetrieb zum modernen Frischepartner: KÖHRA feiert 35-jähriges Bestehen. Was hinter dieser Entwicklung steckt? Mutige Entscheidungen, ein gutes Gespür für Veränderungen und die Bereitschaft, immer wieder neue Wege zu gehen.
Dies ist ein Artikel aus dem Magazin Kopfsalat

Was 1991 als kleine Kartoffelschälerei im Großraum Leipzig begann, ist heute eines der bekanntesten Frischeunternehmen im CF-Netzwerk: KÖHRA. Rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ein breites Convenience-Sortiment, eine eigene Photovoltaikanlage und ein modernes ERP-System – die Entwicklung des Unternehmens liest sich wie ein Lehrstück in unternehmerischem Mut und strategischer Weitsicht. Zum 35-jährigen Jubiläum haben wir mit Geschäftsführer Herrn Thalmann und Betriebsleiterin Frau Eckelmann gesprochen. Herausgekommen ist ein offenes, lebendiges Gespräch über Anfänge, Wendepunkte und die Überzeugungen, die KÖHRA bis heute tragen.

Die Anfänge: Ein Sprung ins Wasser (1991)

Nach der Wende stand die Landwirtschaft in der ehemaligen DDR vor einem grundlegenden Umbruch. Betriebe sollten privatisiert werden – auch das Kartoffellagerhaus KÖHRA, damals eine sogenannte zwischenbetriebliche Einrichtung mit Anteilen bei LPGen und dem Handel. Die Lösung: eine neue GmbH, die die laufende Versorgung des Großraums Leipzig mit geschälten Kartoffeln weiterführen sollte.

„Am 18. Oktober 1991 haben wir die GmbH gegründet”, erinnert sich Herr Thalmann. „Das war ein Sprung ins Wasser, wo keiner wusste, ob das gut geht.” Die ersten Monate waren geprägt von Unsicherheit, wechselnden Ansprechpartnern bei der Treuhand und immer neuen Konzepten zur Unternehmensübergabe. Als an einem Dezembertag 1991 die Treuhandvertreter erklärten, sie wollten schlicht aus dem Unternehmen heraus, musste schnell gehandelt werden.

Damals waren es drei Personen, die die Entscheidung trafen: Herr Thalmann, Frau Wetzold und Herr Rößner. Als von den LPG-Vorsitzenden Gewinnabführungsverträge gefordert wurden, zog Herr Thalmann eine klare Linie: „Wir engagieren uns, sollen das etablieren – und dann sind wir wieder bloß der Knecht. Das machen wir nicht mit.” Eine Entscheidung, die Tatsachen schuf. Ohne Rückweg.

„Sie hatten zu dem Zeitpunkt noch gar nicht vor Augen, wo es mit der Firma hingeht.“ beschreibt Frau Eckelmann die damalige Haltung treffend: „Man geht einen Schritt nach dem anderen, sieht, wie sich die Marktbedingungen verändern – und reagiert entsprechend. So flexibel wie möglich.” Herr Thalmann bestätigt das: „Nur so konnte es funktionieren.” Mit dem Bleistift wurde gerechnet, täglich gefragt: Geht es heute auf? Geht es morgen auf?

Der Wendepunkt: Eine Messe in Dresden und die Entscheidung für das Gemüse (Herbst 1992)

Dass die Kartoffel allein keine Zukunft bieten würde, erkannte Herr Thalmann früh. Andere Betriebe hatten sich dem Tiefkühlgeschäft zugewandt, die Nischen wurden enger. Auf einer Fachmesse für Küchentechnik in Dresden sollte sich das Schicksal von KÖHRA entscheiden – wenngleich die entscheidende Begegnung beinahe nicht stattgefunden hätte.

„Der Ansprechpartner vor Ort hatte leider nie Zeit für uns. Wir wollten gehen”, erzählt Herr Thalmann. „Doch ich musste nochmal zurück zu dem Messestand.” Der Stand gehörte zur Firma Kronen. Inhaber Herr Kronen nahm sich sofort Zeit und brachte die Botschaft auf den Punkt: Kartoffel habe nicht die unmittelbare Zukunft. Gemüse schon.

Was folgte, war eine Einladung nach Baden-Württemberg und Frankreich, um zwei Betriebe der Gemüseverarbeitung zu besichtigen – darunter den Großbetrieb der Firma Florette in der Nähe von Straßburg. „Auf der Rückfahrt war die Sache entschieden. Wir werden uns so eine Maschine kaufen”, sagt Herr Thalmann. Das war der Anfang der Gemüseproduktion bei KÖHRA.

Frau Eckelmann hebt hervor, was diesen Moment so bezeichnend für die Unternehmerpersönlichkeit von Herrn Thalmann macht: „Er hat immer zugehört. Er hat immer rechtzeitig erkannt, was noch kommen kann. Wer erst zuguckt, was die anderen machen, ist schon hinter der Welle und kommt nicht mehr drauf.”

 

"KÖHRA – Frische Geschäftsführer Bernd Thalmann und Betriebsleiterin Sandra Eckelmann"
Eigenständigkeit: Übernahme der Mitarbeiter und Weg zum Produktionsbetrieb (1993/94)

Der nächste einschneidende Moment kam an einem 30. Dezember 1993 – wenig festlich, dafür umso folgenreicher. In einer Sitzung teilten die LPG-Vorsitzenden mit, dass sie die Immobilie verkaufen und die KÖHRA GmbH nicht weiterführen wollten. Rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren zu diesem Zeitpunkt beschäftigt. Das Ultimatum: Entweder übernimmt die neue GmbH alle Mitarbeitenden zum 2. Januar – oder es gibt Massenentlassungen.

Drei Tage Zeit. Kein Zurück. „Uns war klar, wir müssen den nächsten Sprung ins Wasser wagen”, sagt Herr Thalmann. Am 2. Januar 1994 wurden alle informiert: KÖHRA macht weiter.

„Das war eigentlich der Übergang von einer Vertriebs-GmbH zu einem echten Produktionsbetrieb – zumindest auf dem Papier.” ergänzt Frau Eckelmann. „Bis dahin hatten die Fahrer und Produktionsmitarbeiter formal noch zur alten Struktur gehört. Mit diesem Tag übernahm KÖHRA nicht nur Menschen, sondern auch die volle unternehmerische Verantwortung.

Neubau und Aufbruch: Die neue Produktionsstätte (1997/98)

Mit wachsender Gemüseproduktion wuchsen auch die hygienischen Anforderungen – und die alten Räumlichkeiten im Kartoffellagerhaus stießen an ihre Grenzen. Ein Kauf des Gebäudes scheiterte: Die Altbesitzer lehnten ab, der Preis stimmte nicht. Also blieb nur eine Option: Neubau.

„Wir haben angefangen, Grundstücke zu kaufen, mit Banken gesprochen – Finanzierung war absolutes Neuland für uns”, berichtet Herr Thalmann. Im August 1997 war der erste Spatenstich. Bereits am 1. Oktober 1998 zog KÖHRA in die neue Produktionsstätte ein. „Es war sportlich, diese neue Anlage in einem Jahr in Betrieb zu nehmen”, sagt Herr Thalmann. Aber es gelang.

Warum dieser Schritt strategisch so bedeutend war macht Frau Eckelmann deutlich: „Der Bau war die Voraussetzung, um überhaupt mit größeren Kunden in Gespräche gehen zu können. Mit alten Räumlichkeiten wäre ein Einstieg ins CF-Netzwerk gar nicht denkbar gewesen.”

„Es hätte auch scheitern können. Aber dann kann ich wenigstens sagen: Wir haben es probiert."
— Bernd Thalmann
Gemeinsam wachsen: Der Einstieg ins CF-Netzwerk (ab 1999)

Der Weg ins CF-Netzwerk verlief alles andere als geradlinig. KÖHRA hatte Interesse signalisiert – und zunächst eine Absage erhalten. Die Regionen seien bereits verteilt. Dann, an einem Freitagabend, klingelte das Telefon.

„Herr Strozynski rief an und sagte: Unser Lieferant, der die VW-Werke in Zwickau beliefert, ist ausgefallen. Sie müssen am Sonntag liefern”, erinnert sich Herr Thalmann. Die Antwort war klar: Wir machen das. Fahrer Herr Seifert – der bis heute bei KÖHRA ist – übernahm die Tour. Die erste Lieferung in die VW-Werke Zwickau war gleichzeitig der Einstieg in die CF Gastro.

Was seitdem entstanden ist, beschreibt Frau Eckelmann so: „Das Netzwerk bringt Umsatzstärke und Know-how. Man tauscht sich aus, bekommt Anregungen für Digitalisierung und Qualität. Gleichzeitig bleibt man regional verwurzelt. Unsere Kunden sehen einen Menschen dahinter – die Petra, die Bianca, unsere Gabi. Diese Verlässlichkeit ist unser Fundament.”

Herr Thalmann ergänzt, was er vom Netzwerk erwartet: Stabilität und Verlässlichkeit auch in die andere Richtung. „CF muss uns die Sicherheit geben, dass wir eine stabile Gemeinschaft sind. Nur gemeinsam können wir wachsen und uns weiterentwickeln.”

Sortimentsvielfalt: Vom Grobgemüse zur Wok Box und turniertem Gemüse

Aus dem kleinen Sortiment der Anfangsjahre – Kraut, Zwiebeln, Möhren in wenigen Schnittformen – ist ein breites Convenience-Angebot entstanden. Und das, so betont Frau Eckelmann, war kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis konsequenten Zuhörens.

„Unsere Produktpalette hat sich nicht dadurch entwickelt, dass wir uns Gedanken gemacht haben, was der Kunde braucht. Die Kunden haben es uns gesagt, und wir haben zugehört.” Ein Beispiel dafür ist die Wok Box: Ein Kunde wies darauf hin, dass die einzelnen Gemüsekomponenten einer Wok-Mischung unterschiedlich lang brauchen. Die Lösung: getrennte Verpackung der Komponenten, damit der Koch selbst über die Reihenfolge entscheiden kann. Das Produkt hat bis heute seine Nachfrage.

Ähnliches gilt für besondere Schnittformen der gehobenen Gastronomie: Perlenkugeln, turniertes Gemüse, geschälter Ingwer. Dinge, an die anfangs niemand gedacht hatte. „Wenn die Kundenanforderung kommt, schaut man, wie man es bewerkstelligt”, sagt Frau Eckelmann.

Convenience heute: Qualität ohne Zusatzstoffe, der Koch bleibt Koch

Fachkräftemangel, Kostendruck, immer kleinere Küchenflächen – die professionellen Küchen stehen unter erheblichem Druck. Convenience ist keine Option mehr, sondern vielfach Bedingung.

Frau Eckelmann beschreibt den Ansatz von KÖHRA klar: „Unsere Convenience ist eine gute Convenience. Da ist keine Konservierung dran, keine Zusatzstoffe. Wir haben eine Vorstufe: die geschälte Möhre, den geschnittenen Salat. Der Koch ist dann immer noch der Koch, der würzt, das Dressing gibt, die Suppe kocht. Der Gast muss gar nicht merken, dass Convenience zum Einsatz kam.”

Küchen werden heute so gebaut, dass mit wenig Personal hohe Essenszahlen produziert werden können. Diese Entwicklung macht einen bestimmten Convenience-Grad zur Voraussetzung – nicht zur Bequemlichkeit, sondern zur Betriebsnotwendigkeit.

Wachstum, Digitalisierung und Qualität: Prozesse, ERP-System und Nachhaltigkeit

Wachstum funktioniert nur mit funktionierenden Prozessen. Das ist eine Überzeugung, die Frau Eckelmann sehr konkret lebt. „Wachstum braucht immer durchdachte und gelebte Prozesse. Im besten Fall sind sie digital untersetzt.”

KÖHRA hat früh auf Digitalisierung gesetzt und das ERP-System Delta Business eingeführt – ein System, das bis heute im Einsatz ist und jährlich weiterentwickelt wird. „Nicht zehn Jahre nichts tun und dann vor einem Riesenberg stehen, sondern Schritt für Schritt in planbaren Etappen umsetzen”, so die Philosophie dahinter.

Auch in Sachen Nachhaltigkeit handelte KÖHRA vor dem großen Trend: Eine Photovoltaikanlage wurde gebaut, eine Abwasseraufbereitungsanlage installiert, Folienmengen reduziert. „Man hat es getan, bevor überhaupt über Nachhaltigkeitsberichte gesprochen wurde – weil man es für vernünftig erachtet hat”, sagt Frau Eckelmann.

Menschen bei KÖHRA: Rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, langfristige Bindung

Ein Unternehmen lebt von seinen Menschen. Das ist bei KÖHRA keine Floskel, sondern gelebte Praxis. Es gibt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die noch aus der Wendezeit dabei sind. Fahrer Herr Seifert, der die erste CF-Lieferung nach Zwickau übernahm, ist heute noch im Unternehmen. Frau Eckelmann selbst ist seit über 20 Jahren Teil der Geschäftsführung.

„Es ist schön zu hören von Mitarbeitern, die sagen, dass sie gerne nach KÖHRA kommen”, sagt Herr Thalmann. „So ein Lob ist viel mehr wert als alles andere.” Mit rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trägt KÖHRA heute spürbare Verantwortung für die Region – und nimmt diese ernst. Fairer Lohn, verlässliche Bedingungen, planbare Arbeitszeiten: Das ist der Anspruch, dem sich die Geschäftsführung verpflichtet sieht.

Frau Eckelmann fügt hinzu, was sich über die Jahre verändert hat: „Die Mitarbeiter, die von Anfang an dabei sind, berichten, wie sehr sich die Arbeitsbedingungen verbessert haben. Überstunden sind heute absolute Ausnahme. Früher wusste man manchmal nicht, wie lang der Tag noch wird.”

Foodservice im Wandel: Zentralküchen, Qualitätsbewusstsein und die Aufgabe der Lieferanten

Frau Eckelmann beobachtet zwei gegenläufige Strömungen im Foodservice: Auf der einen Seite die Konzentration auf große Zentralküchen, die möglichst viele Portionen zu möglichst geringen Kosten produzieren. Auf der anderen Seite ein wachsendes Qualitätsbewusstsein – vor allem bei Elterninitiativen, Bildungseinrichtungen und Gästen, die bereit sind, für echte Qualität mehr zu bezahlen.

„Da klafft eine Schere auf zwischen Kostenbewusstsein und Qualitätsanspruch”, stellt Frau Eckelmann fest. Für Lieferanten wie KÖHRA bedeutet das: häufigere Stopps, kleinere Mengen, engere Lieferzeitfenster. „Wenn um 5 Uhr mit dem Kochen begonnen wird, muss die Ware um 4:59 Uhr da sein.” KÖHRA hat seine Logistik genau darauf ausgerichtet.

Blick nach vorn: Fairness, Kundenzufriedenheit und Qualitätsvorsprung halten

Wohin soll die Reise gehen? Herr Thalmann bringt es auf den Punkt: „Das Wichtigste ist, dass KÖHRA weiterhin bestehen bleibt. Wir wollen der faire, solide und ehrliche Partner sein – für Lieferanten, Kunden und Mitarbeiter.”

Frau Eckelmann konkretisiert: „Wir hatten in den vergangenen Jahren immer einen Vorsprung bei Qualität und Zuverlässigkeit. Unsere Kunden wussten, wann wir liefern und wie vollständig wir liefern. Diesen Vorsprung gilt es aufrechtzuerhalten. Sich darauf auszuruhen wäre gleichbedeutend damit, den Anschluss zu verlieren.” Das Ziel ist klar formuliert: immer ein kleines bisschen besser sein.

KÖHRA in drei Worten: Mut, Innovation, Verlässlichkeit

Am Ende des Gesprächs stellen wir die einfachste Frage: KÖHRA in drei Worten?

Frau Eckelmann antwortet ohne Zögern: „Mut. Innovation. Verlässlichkeit.”

Herr Thalmann lächelt und sagt: „Wir haben das ganz gut gemacht.”

Wer die Geschichte von KÖHRA kennt – die Gründung aus dem Stand heraus, der Schritt ins Gemüse, der Neubau, der Einstieg ins CF-Netzwerk, 35 Jahre kontinuierliches Wachstum –, der weiß: Das ist mehr als Bescheidenheit. Das ist die Sprache von Menschen, die liefern, statt reden.

 

Über KÖHRA: Das Unternehmen KÖHRA Frische GmbH mit Sitz in der Region Leipzig ist seit 1991 im Bereich Frischwaren und Convenience tätig. Als regionaler CF-Partner beliefert KÖHRA professionelle Küchen in Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie mit einem breiten Sortiment an geschnittenem Gemüse, küchenfertigem Frischeware und Spezialprodukten – ohne Zusatzstoffe, mit hohem Qualitätsanspruch und kurzen Lieferwegen.

Dieser Artikel stammt aus dem Magazin Kopfsalat

Ausgabe 87 September/Oktober 2026

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